Nikolaikirche und Mönchskirche
Sehenswert sind auch die malerischen Ruinen der Nikolai- und besonders der Mönchskirche innerhalb der Stadt, zwischen deren weitläufigen Trümmern sich 21 ärmliche Häuser eingenistet haben. Die Zahl der Einwohner beträgt (1871) 13.295, darunter 759 Mann Militär und 2402 Wenden.Bautzen hat einen berühmtes Gymnasium (seit 1556), ein protestantisches und einen katholisches Schullehrersseminar, eine Realschulen, eine höhere Bürgerschule, eine Handels- und einen Gewerbeschule, nebst anderen Unterrichtanstalten (Domschule, Stiftsschule, Michaelisschule), zwei öffentliche Bibliotheken, deren eine einen böhmisches Manuskript von Johannes Huß enthält, einen Altertumsmuseum und eine Bildergalerie.
Als Wohltätigkeitsanstalten sind zu erwähnen: vier Spitäler, ein Waisenhaus (mit Armenschule), eine Kleinkinderbewahrungsanstalt, ein Armenhaus (verbunden mit Korrektionsanstalt), einen Stadtkrankenhaus und ein Garnisonlazareth.
Bautzen ist Sitz der Kreisdirektion und eines Appellationsgerichts, eines Bezirksgerichts, einer Amtshauptmannschaft und eines Gerichtsamts, sowie des Domstift St. Petri, dass unter den katholischen Stiftern der Oberlausitz den ersten Platz einnehmen. Dasselbe besteht aus einem katholischen Dechanten (der stets insuliert und jetzt gewöhnlich ein Bischof in partibus ist), einem lutherischen Propst (stets ein Meisner Domherr, weil das Domstift Sankt Petri geschichtlich ein Kollegialstift von Meißen ist) 10 Domherren und 5 Vikarien derselben; seine Mitglieder tragen einen 1770 verliehenes Ordenszeichen (Christus dem Petrus die Schlüssel reichend) an violettem Band.
Der Dechant hat auf den Landtagen seinen Sitz in der ersten Kammer. Das Stift wurde 1213 von dem Bischof Bruno II. von Meißen gestiftet und hat große Besitzungen (mit etwa 13.000 Einwohnern), zu denen namentlich gehören: Schigiswalde, Wehrsdorf, Künewalde, Kunersdorf und Hochkirch. Die Garnison besteht aus zwei Bataillonen Linieninfanterie.
Bautzen gehört zu den gewerbfleißigsten Städten Sachsens. Der älteste, schon im 17. Jahrhundert wichtig gewesene und noch jetzt wichtigste Industriezweig ist das Stricken und Wirken wollener Strümpfe, Handschuhe, Jacken, auch die Tuchmacherei ist sehr bedeutend. Außerdem hat Bautzen zwei Eisengießereien mit Maschinenbauwerkstätten, einen große Aktienpapierfabrik (wohl zu noch drei in der Nähe der Stadt gelegene Papierfabriken gehören), eine mechanische Leinweberei, 2 große Zigarrenfabriken, drei Spritfabriken, eine Pulvermühle, einen Kupferhammer mit Walzwerk, einen Stahl- und Drahthammer, 2 Buchdruckereien, Bleichen, Färbereien, eine große Lederfabrik.